Die Kirchgemeinde Rechlin liegt am südöstlichen Ufer der Müritz. Die Orte Rechlin, Boek und Vietzen haben Kirchen, ausserdem gehören zur Kirchgemeinde Ellerholz, Kotzow, Retzow, Boeker Mühle, Bolter Schleuse, Amalienhof, Zartwitz, Zartwitzer Hütte und Faule Ort. Die Kirchgemeinde bildet den südöstlichen Zipfel des Kirchenkreises Güstrow, historisch gesehen liegt sie im Grenzbereich der Herzogtümer Mecklenburg Schwerin und Mecklenburg-Strelitz. Boek gehörte zum Kloster Dobbertin.
Die Geschichte Rechlins ist im 20. Jahrhundert eine Militärgeschichte. Hier wurden seit dem 1. Weltkrieg die Lufterprobungen für das Deutsche Reich vorgenommen (sämtliche Flugzeugtypen und Raketen). Nach 1945 wurde auf dem Rechliner Erprobungsgelände die größte Binnenschiffswerft der DDR errichtet mit 1.100 Arbeitsplätzen, daneben waren die NVA (Nationale Volksarmee) und Sowjetarmee mit ca. 5.000 Militärangehörigen vor Ort. Die Werft wurde nach der Wende in Konkurs geführt. Die Bundeswehr übernahm den Standort. Mit dem größten Depot Norddeutschlands stellt sie mit ca. 200 Arbeitsplätzen den wichtigsten Arbeitgeber vor Ort.
Durch die militärische Nutzung wurde 1917 die Pfarrstelle in Rechlin aufgehoben und erst 1994 wieder besetzt.
In Vietzen ist die Kirche 1968 auf den Grundmauern des 1945 zerstörten Vorgängerbaus als Baracke errichtet. Von Außen nichtssagend an der B198 direkt gegenüber der Ortseinbiegung nach Rechlin liegend und wie ein Gartenhaus aussehend, überrascht der Innenraum positiv. 80 Personen können hier Platz finden.
Die Rechliner Kirche wurde 1816-32 als klassizistischer Putzbau errichtet. 1917 wurde sie von der Landeskirche an den Fiskus verkauft (mit sämtlichen Ländereien). Im 3. Reich war sie die erste ökumenisch genutzte Luftwaffengarnisonskirche. 1945-90 wurde sie zweckentfremdet (Depot der NVA, Turnhalle, Kornspeicher u.a.). Seit 1990 wurde sie durch einen Föderverein (Kirche Rechlin Nord) zur Kirche zurückgebaut (Glocken, Orgel, Gestühl etc.). Die Landeskirche hat sich an diesen Kosten nicht beteiligt. 1996 übergab die Bundeswehr die Kirche an die Mecklenburgische Landeskirche. Neben der gottesdienstlichen Nutzung eignet sich dieser Raum wunderbar für Konzerte und Ausstellungen.
Die St. Johanniskirche Boek wurde 1847 als neogotische Kirche unter Peter von le Fort gebaut, Grossvater der Schriftstellerin Gertrud von le Fort. Die Wilhelm-Sauer-Orgel von 1853 ist das älteste erhaltene Werk des Meisters, der weltweit über 1.100 Orgeln baute. Dank einer Spende von Liebgard Hill/Hamburg
kann die Orgel seit 2003 wieder erklingen. Wie in Rechlin sind die Baumaßnahmen ausschließlich durch den Förderverein (St. Johanniskirche Boek) finanziert. Die Kirche ist von Ostern bis Herbst ganztägig geöffnet. Im Sommer finden wöchentlich Konzerte statt (meist freitags 19.30 Uhr), Ausstellungen sind ganzjährig. Zum "Tag des offnen Denkmals" wird unter Anleitung R. Töpfers (Zinnfigurenmuseum Boek) ein Früchtebild erstellt, das in den folgenden Wochen viele Besucher anlockt, denn etwas Vergleichbares wird man in Mecklenburg vergeblich suchen.
Schwerpunkt der Gemeindearbeit ist über das für eine mecklenburgische Landgemeinde übliche Angebot hinaus neben den o.g. kulturellen Aspekten (dazu gehört auch ein sich alle zwei Wochen treffender Literaturkreis) die Seelsorge, wozu eine umfassende Besuchsarbeit und auch Trauerbegleitung gehören.
Anschrift:
Ev.-Luth. Pfarramt Rechlin
Käthe-Kollwitz-Str. 9-10
17248 Rechlin
Tel.: 039823 / 21 71 3
Fax: 039823 / 27 09 1
E-Mail: rechlin
kirchenkreis-guestrow.de




